Nach dem Jahreshöhepunkt am Eidgenössischen in Biel konnte man den Weinländer Musiktag in Berg am Irchel wohl als Dessert oder Zugabe betrachten – doch unser Dirigent Marcel Ingold schaffte es, uns auch dafür voll zu motivieren.
Zwei Wochen beziehungsweise drei Proben lagen zwischen dem Eidgenössischen und dem Weinländer. An den beiden Wettspielstücke hatten wir nur schon seit Monaten herumgefeilt, eigentlich hingen sie uns schon zum Hals raus. Doch Marcel schaffte es, uns nochmals zu motivieren und drei effiziente, konzentrierte und zielorientierte Proben durchzuführen. Den Leitfaden dazu bildeten die Expertenberichte von Biel, und so versuchten wir, die angekreideten Mängel zu minimieren. Zudem galt es, die Parademusik mit der um die Pfungemer erweiterten Formation auf die Reihe zu kriegen. Wie Marcel dieses Kunststück vollbrachte wissen die Götter, aber irgend einen Zaubertrick scheint er auf Lager gehabt zu haben, denn die Stimmung blieb freudig und konzentriert.
Am Samstag fand in Berg am Irchel auch der Veteranentag statt. Vom MVN gab es eine Ernennung zu feiern: unser Dirigent Marcel Ingold wurde zum Kantonalen Ehrenveteran (50 Jahre aktives Musizieren) ernannt. Zu seinen Ehren war eine Delegation von Neftenbachern an diesen Anlass gepilgert und feierte unseren neuen KEV gebührend.
Am Vormittag besuchten einige von uns die Fahnenübergabe, und dann kamen noch welche dazu, die sich für den Konzertvortrag des JBOW interessierten. Immerhin spielen 5 unserer Mitspielerinnen aktuell in dieser Formation mit: Ilaria, Flavia, Sarina, Ida und Mia. Mit «Selections from Moana» und «Caribbean Summer»/»Coconut Vendor»/Caribbean Nights» präsentierte das JBOW einen Unterhaltungsblock voller heisser Rhythmen – es war schwer, sitzen zu bleiben. Auch der Jury gefiel der Vortrag, wurde er doch mit beachtlichen 85 Punkten bewertet.
Nach dem Mittagessen war dann der MVN dran: das Landihaus war proppenvoll, als wir uns für unser Bewertungskonzert auf die Bühne begaben. Die Spannung war gross – würden wir unsere Leistung vom Eidgenössischen nochmals abrufen oder gar verbessern können? Ein letztes Mal stimmten wir die «Buffonneries» an. Aufgrund der Expertenberichte hatten wir in den vergangenen drei Proben viel in die Dynamik investiert – würde das auch rüberkommen? Subjektiv: ja, dafür gab es einige Intonationstrübungen mehr als in Biel.
Dann machten wir uns ebenfalls zum letzten Mal auf zu neuen Horizonten – nein, natürlich nicht, wir spielten «Towards A New Horizon» zum letzten Mal, aber wir werden weiterhin neue Horizonte suchen. Auch hier hatte uns Marcel noch einige Optimierungen mitzugeben versucht. Das Publikum dankte uns unseren Einsatz mit einem grossen Applaus, und dann ging’s zum Expertengespräch.
Sehr positiv: die Dynamik stand nicht mehr im Zentrum der Kritik, diesen Mangel hatten wir offenbar weitgehend ausmerzen können. Natürlich gab es andere Kritikpunkte, doch das Gespräch war sehr aufbauend und motivierend, und mit 83 resp. 88 Punkten konnten wir unsere Leistung von Biel toppen (es war aber auch eine andere Jury, darum sind die Punktzahlen nicht wirklich vergleichbar).
Zum zweiten Mal traten wir zur Parademusik mit dem Musikverein Pfungen als Spielgemeinschaft auf: Es ist schon cool, wenn man einen instrumental ausgewogenen 5x9er Block auf die Strasse bringen kann. Wir hatten nur drei kurze Marschmusikproben zusammen gehabt, doch da fast alles routinierte Marschmusikant/innen sind, reichte das für einen guten Auftritt. Leider patzten wir etwas beim Spielwechsel, doch alle behielten die Nerven, und so hielt sich der Punkteverlust in Grenzen, und vom Publikum haben wohl die wenigsten etwas davon mitgekriegt. So kamen wir mit 84.5 trotzdem auf ein gutes Resultat.
Nach dem Parademusikvortrag mussten wir noch in Stunde im Zielraum rumstehen, um auf den Massen-Rückmarsch zu warten. Glücklicherweise brannte die Sonne nicht mehr allzu hart auf unsere Köpfe. Dieser Rückmarsch mit «Arc en Ciel» von Jean-Pierre Fleury gestaltete sich relativ abenteuerlich, da man keine Ahnung hatte, was weiter vorne oder hinten gespielt wird. Irgendwie versuchten wir, zusammen zu bleiben, und wir kamen – soweit ich hören konnte – auch miteinander am Ende des Stücks an. Wie sich das für das Publikum anhörte weiss ich nicht, aber der ultimative musikalische Genuss war es wohl nicht. Dann kam noch der traditionelle Gesamtchor mit dem ebenfalls traditionellen Dynamik-Range von fortissimo bis sforzato, bevor wir wieder ins Festzelt wechselten, um die Veteranenehrung zu machen.
Neben unserem neuen Kantonalen Ehrenveteran Marcel wurde auch Elisabeth Gilgen geehrt, sie wurde für 35 Jahre aktives Musizieren zur Eidgeössischen Veteranin ernannt. Am Weinländer hat es sich eingebürgert, dass man die neu ernannten Veteranen nicht einfach mit einem schnöden Tusch, sondern mit einem kurzen Stück feiert. Für Marcel spielten wir einen Ausschnitt aus dem Marsch «Zunft Oberstrass», denn er hat nicht nur lange Oberstrass dirigiert, sondern ist dort auch ein richtiger «Zöifter». Für Elisabeth gab es eine Strophe aus dem «Puurebüebli», was auch sehr gut zu ihr passt. Im Anschluss blieb eine grosse Delegation des MVN bis zu bitteren Ende und liess sich von der Energie der «Chlapfbänd Volketswil» mitreissen.
Danke dem Musikverein Brass Band Berg am Irchel für diesen tollen Weinländer – es hat riesig Spass gemacht!
Und zum Schluss noch etwas persönliches – ich spiele seit einiger Zeit ab Tablet und habe nun einen Nachteil dieses Geräts entdeckt: ich konnte die Noten von «Bouffonnieries» und «Towards A New Horizon» nach dem letzten Vortrag nicht mit einer dramatischen Bewegung zerreissen – und einfach auf Löschen tippen macht definitiv weniger her 😉










































