Vereinsanlass

Nach der letzten Musikreise ins Val Müstair im Jahr 2022 mit dem Gemeinschaftskonzert mit der Musica Aurora war es wieder höchste Zeit für eine Musikreise. Diesmal organisierten Pia Weidmann und Flavia Bühler einen eintägigen Ausflug ohne Instrumente.

Altstätten ohne Kaffee

Entspannt ging es am 31. August mit dem Zug direkt nach Altstätten SG los. Dort folgte ein schneller Umstieg auf den Bus, welcher uns ins Städtli brachte. Beim Museum wurden wir bereits für eine Altstadtführung erwartet. Aber hallo, alles mal nicht so schnell, gibt es auch irgendwo die Möglichkeit, auf die Toilette zu gehen? Und was ist eigentlich mit Kaffee und Gipfeli? Nun, für Ersteres war schnell eine Lösung im Museum gefunden, doch für Letzteres blieb hier leider keine Zeit und so ging die Führung koffeinfrei los. 

Wir erfuhren nun vieles über die Entstehung und Entwicklung der Stadt von den Römern über die deutschen Vögte, die Habsburger bis zu Napoleon. Auch der grosse Einfluss des Klosters St.Gallen wurde erläutert. Zeitweise war es schwierig, den Ausführungen zu folgen, weil der Redner immer wieder vom Ruf „Achtung Auto“ unterbrochen wurde. Doch Altstätten hat auch Gässchen, wo kein Auto durchkommt und früher der Abfall entsorgt wurde und Schweine lebten, die sich davon ernährten. Heute aber können sich die Nachbarn ohne dreckige Füsse und Sauengestank grüssen. So wagten auch wir den Gang durch die schmalen Gassen, die gerade so breit waren, das sich ein Schwein darin umkehren kann.  

Geschichtlich ist es eine sehr spannende Stadt, sie war bei Eroberungszügen immer mittendrin, brannte bereits schon dreimal nieder, kämpfte sich aber stets wieder hoch. Heute stehen in diesem wunderschönen Städtchen zwei Kirchen, doch das war auch nicht immer so. Früher mussten sich die katholischen und reformierten Gemeinden das Taufbecken teilen: dabei war klar definiert welche Seite für wen ist … auch wenn das Wasser dasselbe war. 

Panorama-Reise

So spannend die Altstadt von Altstätten auch sein mag, irgendwann mussten wir uns Richtung Bahnhof auf den Weg machen … aber Hallo, was ist mit dem Kaffee!!! Tja, die jüngere Generation ist wohl nicht mehr so auf den Znüni-Kaffee fixiert und zieht das Programm straff durch. So musste sich die ältere Generation noch etwas gedulden. Es folgte eine gemütliche Fahrt im offenen Wagon über den Stoss nach Gais. Leider hatten auch andere diese Idee, und so konnte nur ca. die Hälfte von uns in den offenen Wagon und die anderen mussten den Ausblick auf das Rheintal im „normalen“ Wagon geniessen. In Gais angekommen ging es Schnurstracks ins Restaurant Hirschen, der Durst und Hunger macht sich nun deutlich bemerkbar. Freundlich wurden wir vom Team des Restaurants begrüsst und es wurde rasch dafür gesorgt, dass wir auf die Halbzeit unserer Reise anstossen konnten. Die Organisation klappte perfekt, alle bekamen das Richtige zu essen und musste auch nicht verdursten, es wurde stets dafür gesorgt, dass die Gläser voll waren. Nach einem Nachschlag und einem feinen Dessert mit Kaffee (Juhuuu, endlich) blieben die einen noch gemütlich am Tisch und die anderen genossen das schöne Wetter draussen. Der Spielplatz der bereits bei der Ankunft registriert worden war, weckte bei einigen das innere Kind und es wurde mit Freude und Spass die Zeit bis zur Abfahrt überbrückt. 

Bunker-Luft

Der nächste Fixpunkt war kurz vor halb drei am Bahnhof Gais. Es ging mit der Appenzellerbahn wieder zurück Richtung Altstätten. Diesmal durfte aber die andere Hälfte von uns im offenen Wagon Platz nehmen. Nach dem Stoss bei der Haltestelle Kreuzstrasse hiess dann: „Bitte aussteigen“. Es war noch eine Besichtigung der Sperre Stoss organisiert. Wir wurden freundlich von zwei Mitgliedern des Festungsmuseums Heldsberg, zu welcher die Sperre Stoss gehört, empfangen. Nach einer kurzen Einleitung ging es in zwei Gruppen in die noch vorhandenen und gut gepflegten Bunkeranlagen. 

Die Verteidigungslinie auf dem Stoss, 1938 bis 1940 erbaut, hatte die Aufgabe, einem aus dem Rheintal angreifenden Gegner das Eindringen über das Appenzellerland in die Ostflanke der Schweiz zu verwehren. Eindrücklich konnten wir sehen, wie die Schweizer Soldaten in den Bunkern mit Maschinengewehren und Panzerabwehrkanonen gegen die Gegner gewappnet waren. Ebenfalls wurde uns eindrücklich gezeigt, wie in diesen Bunkern kommuniziert und wie die etwa 23 Mann starke Bunkerbesatzung lebte. Dabei war die Kameradschaft nicht nur im eigenen Bunker, sondern auch Bunker übergreifend sehr wichtig, musste man doch unter sehr beengten Verhältnissen miteinander auskommen.

Nicht allen von uns fiel es leicht, die steile Treppe in den unterirdisch gelegenen Aufenthaltsraum runterzuklettern, doch man staunt immer wieder, wie beweglich auch ältere Semester sind, wenn die Motivation stimmt. Nachdem es alle wieder aus den Bunkern geschafft hatten, gab es noch einen Apéro auf einem Bunker, welcher getarnt ist und aussieht wie ein Schopf. 

Wir waren etwas schneller als gedacht und so mussten wir an der Haltestelle etwas länger auf das geliebte Appenzellerbähnli warten. Dabei konnten wir die schöne Aussicht in Rheintal nochmals geniessen und uns untereinander noch ein wenig austauschen. In Altstätten gab es wieder einen Blitz-Umstieg in den Bus, welcher uns an den Bahnhof der SBB brachte. Von dort aus ging es direkt zurück nach Winterthur, von wo aus sich alle auf ihren individuellen Heimweg machten. 

Das Wetter hätte nicht besser sein können, und die Organisation war (abgesehen vom für einige fehlenden Kaffeehalt) perfekt. Kurz: ein gelungenes Vereinsreisli. Wir danken den beiden Organisatorinnen und starten nun voll motiviert mit der Vorbereitung der anstehenden Abendunterhaltung vom 23. und 24. Januar 2026. 

Judith Schulze

Pneu-Shop Helfenstein